Mit Blick für die Zukunft,
mit Anspruch, mit Verantwortung:

Digitalisierung der Bildung
Bildung im Digitalen

Welche digitale Bildung wünschen wir uns für die Zukunft?

Die Digitalisierung greift tief in die innersten Prozesse unseres Lebens, unserer Familie, unserer Gemeinschaften, unserer Gesellschaft hinein. Digitalisierung ist ein zentraler Einflussfaktor für die Gesellschaft von heute, morgen und übermorgen.

Wir müssen heute die Grundsteine für eine unabhängige und kompetente digitale Bildung legen. Ziel ist nicht das bloße Bedienen, Nutzen und Nachfolgen. Ziel ist das Gestalten, Schöpfen, Schaffen und Machen – ganz im Sinne der Tüftler und Macher, auf deren Erbe wir gerne zurückschauen.

Welchen Nährboden müssen wir jetzt legen?

Indem man eine Muttersprache von der Grammatik bis zur Lyrik vermittelt, lernen Schülerinnen und Schüler (SuS) sie rundum zu nutzen, zu beherrschen, zu gestalten. Ebenso muss auch die Digitalisierung mit einem Rundumblick genutzt, gestaltet und vermittelt werden. Jede digitale Anwendung ist eine Modellierung der realen Welt ins Digitale hinein. Um den gesellschaftlichen Anforderungen, Herausforderungen und Widrigkeiten der Zukunft gewachsen zu sein, brauchen wir einen offenen, breiten und kreativen Nährboden, auf dem sich die digitalen Kompetenzen unserer rund 10 mio SuS entwickeln. Als System Schule sollten wir vermeiden, dass die SuS Digitalisierung durch die immer gleiche Brille, durch das immer gleich Raster betrachten.

Emanzipation vom „Normalen“

Es ist zur Norm geworden, dass sich eine halbe Gesellschaft in Kopf und auch Herz zunehmend nach den Produkten einiger weniger Dienste ausrichtet. Aufgabe des gesamten Bildungssystems ist es, den Blick zu weiten und neue, kreative, überraschende digitale Blicke zu liefern. Nur so werden unseren jetzigen SuS die digitalen Modellierungen der Zukunft schaffen, schöpfen, tüfteln, machen.

Are you a digital native? – oder eben bloß digital naiv?

Ebenso wie Kunst mit Können zu tun hat, so braucht es auch im digitalen Bereich ein breites Maß an Könnerschaft. Diese Breite erreichen wir nur durch eine vielfältige und nachhaltige Begegnung mit digitalen Fähigkeiten. Langfristig ausgerichtete digitale Flexibilität braucht diese Vielfalt an digitalen Werkzeugen. Es geht um das Beherrschen, um das beherrschende Gestalten mit digitalen Werkzeugen – nicht um das Bedienen, das oft nur entlang einer unsichtbaren, vorgegebenen Schnur stattfindet.

Das Naive spielt eine zentrale Rolle beim Erleben von digitalen Werkzeugen. Bin ich der kritische Empfänger und Gestalter? Oder bin ich eher der hinnehmende Empfänger, der von Gestaltung eher keine Spur hat? Nur wer auch Gestalter ist, sein Gerät und den Umgang mit Informationen beherrscht, kann beim Aufnehmen von Informationen einen fundierten kritischen Blick entwickeln. Wer nur am Aufnehmen von Informationen ist, dem geht zwangsläufig die kritische Distanz und der beherrschende Durchblick verloren. Wer beispielsweise keine Ahnung von maschineller Auswertung von Daten hat, dem werden auch die zahlreichen Datensammelstrategien verschiedenster Firmen und Geschäftsmodelle verborgen bleiben.

Den Schutzbefohlenen muss der Schutz garantiert sein

Nach den Erfahrungen der Vergangenheit muss damit gerechnet werden, dass manche große und oft Daten sammelnde Cloudanbieter in irgendeiner Form das Datenmaterial des Schulgeschehens nutzen werden. Dabei geht es u.a. um Lern-, Video-, Audio- und Bewertungsdaten der SuS – unserer Schutzbefohlenen. Als System Schule sollten, ja müssen wir geradezu den Interessenslagen von Daten sammelnden Konzernen aus dem Weg gehen. Alles andere wäre naiv bis dämlich. Die Daten unserer Schüler können ausschließlich auf komplett von großen Netzwerken losgelösten, zu 100,00 % von Interessenskonflikten freien Plattformen liegen. Und auch dort nur die unbedingt notwendigen Daten (Datensparsamkeit). Jegliche Nutzung der Daten durch Schulfremde muss ausgeschlossen sein. Dies muss transparent und nachprüfbar sein.

Würden Sie, liebe Schulleiterin, lieber Schulleiter, liebe Lehrerin, lieber Lehrer …

… alle privaten oder gar intimen Photos Ihrer Familie auf einem Cloudcomputer von Micrappoogle speichern?

… und würden Sie jedes noch so persönliche Video ihrer eigenen Kinder einer weltweiten Cloud anvertrauen?

… und würden Sie dazu die Krankheitsdaten Ihrer ganzen Familie in dieser Daten sammelnden Cloud speichern?

… und wären Sie bereit, dort auch die Chatverläufe aller Familienmitgliedern zur Verfügung zu stellen?

… und würden Sie alle Schulzeugnisse ihrer ganzen Familie auf dieser Cloud speichern?

… und könnten Sie garantieren, dass diese Daten niemals von Micrappoogle genutzt werden?

… und könnten Sie gewährleisten, dass diese Daten nach 12 Jahren exakt so gelöscht sind, als ob sie nie existent gewesen wären?

Und wie halten Sie es mit den Lern-, Audio-, Video- und Bewertungsdaten der Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule?

In Deutschland gibt es rund 10 Millionen Schülerinnen und Schüler. Ihre Daten sind den großen Netzwerkbetreibern unvorstellbar wertvoll. Das sollte uns zu denken geben. Und es sollte uns veranlassen, diese Daten absolut sicher und transparent zu speichern. Diese Daten sind mehr als schützenswert.

Nachricht an all diejenigen, die sich mit den hehren Zielen überfordert fühlen: Es gibt Lösungen!

Niemand kommt mit digitaler Bildung auf die Welt. Wenn Sie bei sich Defizite empfinden, dann ist das ein erster wichtiger Schritt. Jeder Lehrer hat irgendwo seine digitalen Grenzen, das ist ganz normal und niemand sollte sich dabei in irgendeine Defensive drängen lassen. Nun kommt es darauf an, dass Sie sich nicht in die Hände digitaler Scheinakrobaten begeben. Fragen Sie immer nach dem Mehrwert! Lassen Sie sich nicht von Tablet-Wischakrobaten blenden. Halten Sie sich fern, von großen, oft eine Art Heil versprechenden Netzwerken wie Micrappoogle. Seien Sie sich bewusst: 80% der im Bildungsbereich verwendeten Apps haben eine sehr kurze Halbwertszeit – sie kommen und sie verschwinden. Und sie liefern oft wenig Mehrwert. Sehr viele Apps sind darüber hinaus nicht rechtskonform nutzbar.

Bewahren Sie sich ihre Haltung in Bezug auf Ihre Schüler. Wenn Sie im analogen Leben Werbung an Ihrer Schule ausschließen, tun Sie es auch im digitalen Schulleben. Wenn Ihnen im analogen Leben Vielfalt wichtig ist, legen Sie diesen Fokus auch im digitalen Leben. Wenn Ihnen der Schutz der Persönlichkeit jedes einzelnen Schülers im Analogen wichtig ist, schützen Sie diese auch im Digitalen.

Und: Leben Sie Ihre eigenen Grenzen selbstbewusst – in der Schule sind wir zuvörderst Lehrer und nicht Digitalcoach. Nach wie vor ist der „analoge Faktor“ das A&O im Bildungsprozess. Auf dieser Basis braucht es selbstverständlich das Digitale als Ergänzung im Bildungsprozess – je nach der aktuellen Situation (Corona, …) mehr oder weniger. Ganz unabhängig von der jeweilig aktuellen Situation braucht es mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung das Digitale zunehmend als Bildungsgegenstand.

Wie kann eine Lösung aussehen?

In fast allen Bundesländern wird das Lernmanagementsystem Moodle angeboten. In Baden-Württemberg ist das sogar flächendeckend der Fall – Moodle steht jeder Schule einsatzbereit zur Verfügung, es wird bereits von weit über tausend Schulen erfolgreich und effizient genutzt. Alle Schularten sind vertreten: Von Grundschulen über Gymnasien bis hin zu beruflichen Schulen. Bei Moodle liegen die Daten auf landeseigenen Servern, die Schülerdaten werden nicht an eine Firma ausgeliefert. Moodle ist ein echtes Lernmanagementsystem mit vielen digitaldidaktischen Möglichkeiten. In Kombination mit dem Webkonferenzsystem BigBlueButton steht eine professionelle Software-Umgebung für den digitalen Unterricht zur Verfügung. Digital besonders innovative Schulen können dieses digitale Umfeld beispielsweise durch eine Nextcloud ergänzen.

Ich will mich halt nicht immer in etwas Neues einarbeiten …

Usability – gar zu oft ist die Verwendung des Wortes entblößend. Nicht dass grundsätzlich etwas gegen Bequemlichkeit im Allgemeinen oder gegen die einfache Bedienbarkeit eines Computerprogramms einzuwenden wäre, wenn aber diese Bequemlichkeit gegen zentrale Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit aufgewogen wird, dann geht es zu weit. Aktuell gibt es immer noch viele Schulen in BaWü, die die Daten, das Lernen und die Bewertungen Ihrer Schülerinnen und Schüler in Netzwerke von Microsoft, Apple oder Google stellen. Oft lautet das zentrale Argument: „Diese Tools sind intuitiv bedienbar und funktional.“

Wenn mehr als tausend Schulen in Baden-Württemberg Moodle benutzen, dann ist anzunehmen, dass auch dieses System intuitiv bedienbar und funktional ist. Warum ist Moodle dann nicht noch weiter verbreitet? Moodle ist keine Firma wie Microsoft, Moodle hat keine Marketingabteilung. Moodle macht in keinem Kultusministerium Deutschlands Lobbyarbeit. Und trotzdem wird dieses Lernmanagementsystem weltweit von Millionen Schülern und Studenten genutzt.

Weitere Argumente sollten ebenfalls ins Zentrum der Abwägungen gerückt werden – gerade bei unserem Anspruch als Pädagoginnen und Pädagogen. Schülerinnen und Schüler, die jeden Tag durch ein Fenster von Microsoft, Apple oder Google auf die digitale Welt schauen, werden für später auf diese digitalen Produkte geeicht. Das kann nicht unser Ziel sein. Außerdem wird die Breite der digitalen Kreativität der SuS massiv eingeschränkt. Und nicht zu vergessen: Die Datenströme in einem solchen Netzwerk sind nicht transparent nachvollziehbar. Ein solches Netzwerk sollte nicht unser Vertrauen erhalten.

Für jeden digital Lehrenden ist Haltung eine notwendige Voraussetzung. Sie allein reicht aber nicht – es braucht eine in Entscheidungen gegossene Haltung.

Es gibt doch Systeme, die in Firmen und Institutionen zur Zufriedenheit genutzt werden …

Z.B. Microsoft, Google und Apple bieten solche Systeme für Firmen und Institutionen an. Als der Bildung verpflichtetes Schulsystem wäre es töricht und das digitale Wachstum der SuS begrenzend, wenn man sie jahrelang durch eine solche Brille auf die digitale Welt blicken ließe. Ein immer gleicher, „intuibanaler“ digitaler Blick auf ein reales Geschehen banalisiert die digitalen Fähigkeiten. In einer Firma mag dies streckenweise sinnvoll und effizient sein. Ein Schulsystem hat andere, teilweise diametrale Ziele. Nur wenn SuS durch zahlreiche Brillen, durch variantenreiche digitale Modellierungen hindurch auf die reale Welt blicken, werden ihre Kompetenzen, ihre Flexibilität und ihre digitale Zukunftsfestigkeit optimal entwickelt. Deshalb sollten wir den Schülerinnen und Schülern nicht unsere eigenen digitalen Grenzen als Bürde für ihre Zukunft mitgeben.

Allen SchülerInnen ein paar Turnschuhe von Pumidas

Als Schulsystem haben wir eine weit in die Zukunft weisende Hebelwirkung für unsere SuS und für die gesamte Gesellschaft. Genau deswegen ist das Schulsystem für die großen Tech-Konzerne immens interessant. Mit Software, Hardware und digitalen Dienstleistungen sollen unsere Schülerinnen und Schüler und ihre digitale Wahrnehmung jetzt und für die Zukunft auf bestimmte Software, Hardware und digitale Dienstleistungen ausgerichtet werden. Letztlich geschieht das nach dem Prinzip „Schülerdaten und Schülerköpfe gegen Geld“ – letzteres in Form von scheinbar geschenkten Lizenzgebühren oder Lockangeboten. Das Ganze nennt man ganz banal ausgedrückt auch Werbung. Die Geschäftsmodelle der Firmen und Konzerne sind legitim. Es muss allerdings gebotenes Handeln des Bildungssystems sein, alleinig die Interessen der Schülerinnen, der Schüler und der Gesellschaft im Blick zu haben.

Bedenke: Wenn Du für das Produkt nichts bezahlst, so bist Du nicht der Konsument – Du bist das Produkt.

Morgens bei Micrappoogle, nachmittags im whanstawitterbook, am Abend bei Echolexa

Die Datensparsamkeit als grundlegendes Prinzip des Datenschutzes sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Im letzten Jahrzehnt ist es weder den Eltern noch dem Schulsystem gelungen, die Datensparsamkeit in der Realität der SuS zu verankern. Innerhalb eines jeden Daten sammelnden Dienstes gilt: „Begrenze das Abbild Deiner Persönlichkeit auf ein notwendiges Minimum. Auch der Verzicht auf einen Dienst muss eine Handlungsalternative sein.“ Eine solche Haltung setzt digitale Wahrnehmung, digitale Kompetenz, digitale Schaffenskraft und digitale Flexibilität voraus.

Würden nun schulische Lern-, Video-, Audio- und sogar Bewertungsdaten von SuS in eine nicht kontrollierbare und nicht transparente Cloud gefüttert werden, so würde sich das System Schule komplett unglaubwürdig machen. Jeder pädagogische Anspruch im erweiterten, obigen Sinne wäre noch weniger als eine Farce. NEIN, es ist nicht normal, dass wir als Menschen nach Strich und Faden ausgehorcht werden.

Die Alternative dagegen ist attraktiv: Wäre es nicht wunderbar, wenn wir unseren SuS im Bildungssystem einen echten Stolz vermitteln würden, dass ihre Daten auf einer eigenen, transparent verwalteten Cloud liegen? Dass ihre persönlichen Daten von Programmen verarbeitet werden, die so brillant und so vertrauenswürdig sind, dass ihr Programmcode offen von jedermann einsehbar ist? Dass es sich also um hoch professionelle, vertrauenswürdige Open-Source-Programme handelt? Wenn wir im Bildungssystem selbst diese stolze Haltung wieder erlernen und einnehmen würden, wenn wir diese Haltung zu vermitteln im Stande wären, würde sich diese Haltung dann nicht nach und nach auch bei den Schülern breit machen können? Würde das nicht zu digital mündigen Bürgern führen? Wir könnten auf jeden Fall aus tiefsten Herzen stolz darauf sein.

I have a dream – lassen Sie uns für diesen Traum tätig werden. Wer, wenn nicht wir als Bildungssystem.

Demokratie braucht Bildung zur digitalen Transparenz

Im letzten Jahrzehnt haben vermutlich alle Gesellschaften des Erdballs im Bereich der Datensparsamkeit und im Bereich der Bildung zur Digitalisierung in der Breite der Gesellschaft ein äußerst schwaches Bild abgegeben. Die mangelnde Datensparsamkeit führte dazu, dass einige wenige Daten sammelnde Konzerne wie z.B. Google, Apple oder Microsoft detaillierte Einblicke in die Persönlichkeit eines fast jeden Bürgers erlangt haben. Diese Einblicke sind verbunden mit einer enormen kommunikativen Potenz besagter Konzerne und anderer, deren Daten nutzende Konzerne.

Aufgrund mangelnder Bildung im Bereich der Digitalisierung sind die meisten Menschen einer Gesellschaft nicht auf eine Begegnung mit potenter, digitaler und intentionaler Kommunikation in Wort, Ton, Bild, 3D, 4D, vorbereitet. Die Breite der Gesellschaft hat sich im Bereich der Digitalisierung schlicht zu wenig um Bildung bemüht. Unsere Politiker und Bildungspolitiker haben keinen Wert darauf gelegt, diesen bis heute blinden Fleck weiterzuentwickeln. Zu verlockend waren die rasant zunehmenden Möglichkeiten des whanstawitterbook und aller anderen Dienste. Das Meer der Möglichkeiten machte die Breite der Gesellschaft blind, berauscht und eitel. Allein der Besitz eines schimmernden angebissenen Apfels, allein das Wissen um den allerneuesten Wisch und um die allerangesagteste App machte uns nach innen und nach außen zum eingebildeten Scheinriesen. Wir haben es nicht gelernt, den banalen Windhauch vom zukunftsträchtigen digitalen Konzept zu unterscheiden.

Die Versagenskombination im Bereich der Datensparsamkeit und im Bereich der Bildung zur Digitalisierung macht unsere modernen, digitalen Gesellschaften anfällig für Beeinflussung und für Manipulation. Einige negative „Leuchtturmbeispiele“ hierfür sind umfangreich belegt, eine mehr oder weniger erahnte Dunkelziffer existiert. Bei Beeinflussung und Manipulation darf man nicht nur an den Brexit oder an Wahlen in großen Staaten denken, es geht um die politische Meinungsbildung, um Sachfragen und um viele feine, subtile Ausrichtungsfragen unserer Gesellschaften. Überall dort, wo mächtige und potente digitale Kommunikationsstrategien auf wenig digital gebildete und in dieser Hinsicht wenig sensible Gesellschaften treffen, sollte von Gefahr im Verzug ausgegangen werden.

Es gibt hierfür keinen schnellen Masterplan. Es gibt nur den langsamen, teilweise mühsamen und vielleicht auch enthaltsamen Weg der Bildung – der Bildung im Bereich der Digitalisierung.

Nicht nur der Weg selbst braucht Zeit und Mühe, auch dass wir uns als Gesellschaft überhaupt auf einen Weg machen, braucht Zeit. Und es braucht eine Debatte, denn es gibt allenfalls ansatzweise einen allgemeingültigen Bildungskanon für das Digitale. Es gibt zahlreiche Interessen, zahlreiche naive und komplexe Vorstellungen, zahlreiche Eitelkeiten, leider nicht viel mehr. Es bedarf dringend der klugen Führung durch Politiker, Bildungsexperten, Wissenschaftler – auch Geisteswissenschaftler, welche einen Weg hin zur Bildung im Digitalen entwickeln.

Eine im Digitalen gebildete Gesellschaft kann und wird von den Playern am digitalen Markt mehr Transparenz einfordern – und das ist dringend notwendig.

Lernen vom Gelernten – der bildende Blick nach hinten

In den vergangenen Jahrhunderten hat das Bildungssystem immer wieder viel Neues gelernt und integriert. Z.B. wie SuS sprachlich und gedanklich über das Niveau einer Boulevardzeitung mit vier Buchstaben hinausbegleitet und hinausgehoben werden. Niemand käme auf die Idee, dass auf dem Weg dazu einzig die Lektüre einer Qualitätszeitung, einzig die Beschäftigung mit Gedichten aller Epochen, einzig das Kennenlernen von grammatikalischen Strukturen oder einzig die Beschäftigung mit Literatur eine solchen Weg bahnt. Am Ende ist es ein bunter Strauß all dieser und vieler weiterer Facetten von Sprache und von Inhalt, welcher SuS die Möglichkeit zum hoch Hinauswachsen gibt.

Wir sind in weiten Teilen der Republik weit davon entfernt, unseren SuS einen vergleichbaren Weg für das digitale Werden bieten und abverlangen zu können. Es gibt durchaus Leuchttürme, es sind allerdings selten diejenigen, die mit großen Tablet-Bildern die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit suchen. Und es sind auch nicht diejenigen, die sich den scheinbar einfachen Lösungen der großen Anbieter hingeben. Viel zu viele reden mit allerlei Naivität oder sogar mit allerlei Eigeninteressen über die Digitalisierung der Bildung oder über Bildung im Digitalen. Beides sind weite und komplexe Felder. Zweifelsohne bedarf es der Nutzung verschiedenster Tools, des Einsatzes verschiedenster Geräte, des Erlernens verschiedenster Datenmodellierungen und vielem mehr. Nur wenn all dies didaktisch klug reduziert wird, kann es zur Grundlage einer wertigen digitalen Bildung werden.

 (Beitragsbild: Alex Knight on Unsplash)

Mit Blick für die Zukunft, mit Anspruch, mit Verantwortung

Ein Kommentar zu „Mit Blick für die Zukunft, mit Anspruch, mit Verantwortung

  • 22. August 2020 um 15:37
    Permalink

    Bin dabei MS und co nicht nur den Hahn zu drehen.

    LG
    ww

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